Bozena Paulik
"Zweisprachiger Unterricht bei den Sorben in Deutschland unter
besonderer Berücksichtigung neuer Modellprojekte zur Revitalisierung der Sprache"
"Dvojezièno poduèavanje za sorbsku manjinu u Njemaèkoj"


Der traditionelle Sorbischunterricht, insbesondere im Fach Sorbisch als Fremdsprache, hat in den vergangenen 50 Jahren nicht das gewünschte Ziel erreicht, die Spracherosion im sorbischen Siedlungsgebiet und die Assimilation zu stoppen.
Dies wurde nach der Wende 1989 offen konstatiert, diskutiert und es wurden Wege gesucht, nicht nur um der fortschreitenden Assimilation  Einhalt zu gebieten, sondern um die sorbische Sprache zu revitalisieren.
Bislang gibt es zwei verschiedene Modellversuche zur effektiven Vermittlung der Zweisprachigkeit mit dem Sorbischen, die im Vortrag vorgestellt werden.

1998 wurde in der brandenburgischen Niederlausitz das WITAJ-Projekt ins Leben gerufen, dessen primäres Ziel es ist, Kindern aus deutschsprachigen Familien die Chance zu geben, aktive sorbische Sprachkenntnisse zu erlangen. Die erste Stufe der Sprachvermittlung erfolgt nach der Immersionsmethode bereits im Kindergarten. In der Schule werden die so erlangten Sprachkenntnisse immersiv weiterentwickelt.

An vier sorbischen Grundschulen in der sächsischen Oberlausitz wurde dies Jahr ein anderes Modell – das Modell der zweisprachigen Klasse – eingeführt, in der Kinder mit sorbischer und deutscher Muttersprache gemeinsam lernen. Es beinhaltet eine intensivere Sprachausbildung der deutschen Kinder im Sorbischen und verfolgt das Ziel, innerhalb der deutschen Bevölkerung mehr Toleranz gegenüber dem Sorbischen zu erlangen.

Hinsichtlich der sorbischen Kinder hat dieses Konzept den Nachteil, dass sich das Sprachmilieu in der Klasse zuungunsten des Sorbischen verändert hat. Eine wissenschaftliche Evaluierung beider Projekte wird angestrebt.

Bozena Paulik
WITAJ-Sprachzentrum Bautzen